Schlaraffia Castellum Cornoviae


Castellum Cornoviae - gegründet 25. 4. a. U. 51 (1910)

Rehbund In Korneuburg bestand neben zahlreichen anderen Vereinen schon im ausgehenden 19. Jahrhundert eine Humor und Kunst zugetane, humanitäre Stammtischrunde, die „Korneuburger Tischgesellschaft Rehbund“. (Die Geschichte dieses Vereines liegt weitestgehend noch im Dunkeln und harrt einer wissenschaftlichen Aufarbeitung.) Über zwei Jahrzehnte hinweg kann man alljährlich in den lokalen Wochenzeitungen Berichte über ein von dieser Vereinigung veranstaltetes Faschingfest sowie über eine Weihnachtsbescherung für mittellose Kinder nachlesen. Diese Veranstaltungen zählten zu den fixen Bestandteilen des Korneuburger Gesellschaftslebens. Mitglieder des Rehbundes waren hauptsächlich aktive Offiziere des Eisenbahn- und Telegrafenregimentes, Reserve-Offiziere desselben (meist Beamte der k.k. Staatsbahnen) und einige hochangesehene Geschäftsleute. Der Rehbund war im Gasthaus „Zur deutschen Eiche“ (heutiges Schlemmereck) angesiedelt. Man gab auch monatlich eine so genannte Kneip-Zeitung heraus, in der das Vereinsgeschehen und humoristische Beiträge und beachtliche Kunstkritiken veröffentlicht wurden. Vielfach sind hier Parallelen zum schlaraffischen Brauchtum zu sehen.

Old Shatterhand Ein Mitglied des Rehbundes war der Offizier August Junk. Diesem ging schon von der Kadettenschule her von Garnison zu Garnison der Ruf voraus, dass er ein ganz großer Schalk sei und dass weder seine Vorgesetzten, noch seine Kameraden vor seinen Späßen sicher wären. Es mangelte ihm aber auch nicht an Mut und Tapferkeit. Beim großen Brand in der Stadt im Jahre 1902 war August Junk lebensrettend im Löscheinsatz; seine Tapferkeit wurde sogar von seiner Majestät ausgezeichnet. Er wurde 1904 nach Ödenburg versetzt und machte dort Bekanntschaft mit dem Schlaraffenreych „Sempronia“ (9), das am 30. des Windmondes 1578 (alter Zeitrechnung) als Tochter der strahlenden Allmutter Praga gegründet worden war. Hptm. August Junk erkannte die überregionale Bedeutung der zum damaligen Zeitpunkt schon 157 Reychsgründungen umfassenden Allschlaraffia. Er durchlief im h.R. Sempronia in Windeseile den schlaraffischen Werdegang und wurde a. U. 46 (1905) zum Ritter „Old Shatterhand der Pyramidale“ geschlagen. Während seiner ganzen Dienstzeit in Ödenburg blieb er mit seiner Heimatstadt verbunden, behielt seinen zivilen Wohnsitz, blieb mit seinen Freunden und Kameraden in Korneuburg in Kontakt und begeisterte die Mitglieder des Rehbundes für Schlaraffia. Seine 1909 erfolgte Rückversetzung zum Eisenbahnregiment in Korneuburg ermöglichte ihm die Gründung eines „Uhustammtisches“ (die Keimzelle jedes neuen Schlaraffenreyches).

Rehbund Die Gründungsversammlung = 1. Sippung (Zusammenkunft) fand am 10.1. a. U. 51 statt. 45 Männer der „besseren“ Korneuburger Gesellschaft bekannten sich zu den hehren schlaraffischen Zielen: Pflege von Kunst Freundschaft und Humor. Es galt die erforderlichen Beschlüsse zu fassen und die Wahl der ersten Wahlwürdenträger durchzuführen: Oberschlaraffen: Old Shatterhand (zugleich Kantzler), Fiasko der Freiheitsschwärmer (Dr. jur. Josef Jesch sen.) und Bianko der Wiesenbahner (der spätere Generalmajor Dr. Ferdinand Kopriva), Marschall: Colorado der Clare (profan Inspektor der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Otto Reitmeier). Vizekantzler: Ossi der Harbe (profan Hptm. Ing. Oskar Schwarz), Schatzmeister: Kurt der wilde Jäger (profan Obergeometer Ing. Karl Schwab); Ceremonienmeister: Perkeo der Ungenießbare (profan Bahnoberinspektor der k.k. NW-Bahn Alois Schimpf); Junkermeister: Gutenberg der Sanftmütige (profan Buchdrucker und Buchhändler Julius Kühkopf). Und schon am 23. 4. d. J. wurde die Colonie „Castellum Cornoviae“ nach Bewilligung durch Allmutter Praga als 5.Tochter des h.R. Sempronia gegründet. (Das Datum der Coloniegründung gilt in Schlaraffia als die Geburtsstunde eines Reyches.)



Alte Burg Am 20. des Eismonds a.U. 53 (1912) zog Allmutter Pragas hoher Thron unter festlichem Baldachin in die Festburg Castellum Cornoviae ein und Allmutters Vieledler kündete die Sanktionsbulle für das jüngste Reych Allschlaraffias. Dieses herrliche Fest endete am nächsten Tag mit einer Schlittenfahrt durch die winterliche Landschaft und einem Empfang auf Burg Kreuzenstein, zu dem Graf Wilczek großzügigst eingeladen hatte. Unter Rt Old Shatterhand hatten nun die ewigen Wanderer der Monarchie, das Offizierskorps, auch in Korneuburg eine Heimstatt gefunden, und bis zum Ende des Ersten Weltkrieges war und blieb Castellum Cornoviae ein ausgesprochenes Offiziers-Reych. Auch in den sogenannten Kriegsreychen zählten die Cornovcen zu den treuesten Sassen. Trotz der Bezeichnung als Offiziersreych herrschte schon von der Gründung an am hohen Thron das zivile Element vor. Unvergessen bleiben die Herrlichkeiten Fiasko (Dr. Jesch sen.), Ollo (Dr. Jesch jun.) und Lyrikus (Niederführ).


Mit Fug und Recht aber gingen die Jahrungen a.U. 53 (1912) bis a.U. 75 (1934) in die Geschichte des Reyches ein, in welchen Erz-Schlaraffe, Erb-Hkt, Ehrenschlaraffe Unser Vater Gygax (Viktor Müller von Elblein) mit starker, strenger, aber gerechter Hand das Zepter des Reyches führte. gygax Wer im alten Uhuversum kannte nicht die wunderschöne Rathausburg? Während des Ersten Weltkrieges wurde fortlaufend gesippt, und fast zu jeder Sippung kamen Frontkämpfer, um in ihrem Reych frohe Stunden zu verbringen. Nach dem Ende dieses Völkerringens gab es auch für Castellum Cornoviae bittere Abschiedsstunden, viele Sassen sagten ihrer alten Garnisonsstadt ade, zogen hinaus ins Uhuversum. So mancher dieser Freunde zierte dann den hohen Thron seines neuen Reyches, so auch der Altcornovce Rt A-soo vom großen Wort den Thron der unvergesslichen Allmutter Praga. Ein Höhepunkt des weiteren Reychsgeschehens war das 15. Stiftungsfest. Allmutter Praga, Mutter Sempronia, Ziehmutter Vindobona und unzählige Schwesternreyche ehrten das Reych durch die Einritte ihrer prominentesten Herrlichkeiten und Sassen. Mit dem Abgang des Eb. Hkt. Vater Gygax in den Ruhestand kam auch für Castellum Cornoviae eine unruhige Zeit, die allzu schnell durch die uhufinstere Zeit (letzte Sippung vor dem Anschluss an Hitler-Deutschland am 7. Lenzmond a.U. 79) abgelöst wurde, wo die herrliche Rathausburg devastiert wurde und fast 30 Kisten mit Inventar, Archivmaterial und des Reyches Schätzen leider einem schweren Bombenangriff zum Opfer fielen. Den Verhältnissen zum Trotz blieb aber Castellum Cornoviae mit ihren ständigen Krystallinen in Korneuburg und Langenzersdorf dennoch existent und kam auch so über die erste Zeit der Besetzung durch die russische Besatzungsmacht hinweg. Mit Freude wurde die Wiedererrichtung der Ziehmutter Vindobona begrüßt. Dort trafen sich nun die Sassen Castellum Cornoviaes um wieder sippen zu können.

Erst am 6. Christmond a.U. 89 erfolgte mit der 777. Sippung die offizielle Wiedererrichtung des Reyches. Burgweihe Dabei sei besonders der Ziehmutter Vindobona für ihre große Hilfe durch Rat,Tat und Einritte gedankt. Es war für die alten Sassen des Reyches wahrlich nicht leicht, die Behinderung durch die Besatzungsmacht zu überwinden. Für jede einzelne Sippung musste bei der Ortskommandantur die Bewilligung erwirkt werden, und da gab es gar viele offene Hände, die von diesen Kapitalisten erst gefüllt werden mussten. War dieses Vorspiel beendet, kam unter Bedeckung gefällter Bajonette noch der Bildungsoffizier zur Kontrolle, und die sonstige Soldateska machte sich großen Spaß daraus, jede Sippung irgendwie zu stören. Aber auch diese Schikanen wurden überwunden. Nachwuchs kam ins Reych, und in der von Rt Bis-am-Berg (Hans Scharinger) schon in der uhufinsteren Zeit anlässlich eines Gasthof-Umbaues vorsorglich geschaffenen Notburg blühte schlaraffisches Leben. Unter Erz-Schlaraffe Rt Unser Erzfürst Perkeo (Alois Schimpf), den beiden Gygaxsprösslingen Eb-Hkt. Prinz Eugen (Eugen Müller von Elblein) und Eb-Hkt. Gygant (Herbert Müller von Elblein) am hohen Thron blühte Castellum Cornoviae wieder auf. Bald wurde in die alte Rathausburg übersiedelt. Aber das Reych konnte in seiner alten Burg nicht heimisch werden, denn die Erinnerung an alte Zeiten machte die kahlen Wände der Rathausburg noch kälter, als sie an und für sich schon waren. So wurde mit großer Begeisterung und vielen Opfern in der Sommerung a.U. 97 der Ausbau der Cornovcenburg begonnen und am 12. Christmond mit einer feyerlichen Burgweihe abgeschlossen. Das Reych kehrte an seine Gründungsstätte, wo noch Old Shatterhand die ersten Sippungen zelebriert hat, zurück! Unser 50. Stiftungsfest am 30. 4. a. U. 101 war in Austrias Gemarkungen ein schlaraffisches Großereignis. Die Annalen halten fest, dass mehr als 150 Einritte erfolgten und auch eine gleich hohe Zahl profaner Gäste anwesend waren.

Über die Gemarkungen Austrias hinaus wurde Castellum Cornoviae durch eine am 6. 5. a.U. 103 nach der Basta-Feyer im h. R. Aquae Thermae ausgetragene, gar schreckliche Reychsfehde bekannt:Das sehr junge Reych Ob der Hamel machte uns unseren historisch belegbaren Beinamen vorübergehend streitig, forderte den Zweikampf und unterlag. Seither sind wir das „würcklich siegreiche Rattenfängerreych“ und haben den weiser gewordenen Obderhamelern gerne brüderlich verziehen. Seit jenen Tagen „gehorchte“ die Sassenschaft mehr als ein Dezennium lang einem illustren Thron: Die Oberschlaraffen Advo-canto, Bimbo, Gygant und Thespis sorgten für die Echtheit schlaraffischen Spiels, so dass viele gute und treue Freunde gewonnen werden konnten. Sassen der heimatlos gewordenen Thayana fanden in unserem Reych a.U. 104 eine bleibende Heimstätte.


Eine eigene Gedenkecke, geziert von unikaten Erinnerungsstücken, steht seither im Mittelpunkt der Traditionssippung für die ehemaligen Reyche 1, 9, 104 und 280. Das geschnitzte Throngestühl erinnert an das Reych Am Wogenrayn; der Totenschrein der Thayana ziert unsere Ahalla; das Wappen der Mutter Sempronia grüßt von der Stirnwand unserer Burg. Die Vorgeschichte zum nächsten Festakt - aus historischen Gründen aufgezeigt - reicht bis zum 24. 7. a.U. 112 zurück, da im profanen Graz die 1. Aussprache mit der Führung Urschlaraffias stattfand, wobei unsere ER Brummerl (4, ehem. 104, bzw. 181) und Musi (24) im Sinne des Ehrenritters Allschlaraffias und Alt-Cornovcen weiland Rt A-soo handelten, dem die Vereinigung sehr am Herzen lag. Dem Kontakt zu den Urschlaraffen mit der Tendenz ihrer Auflösung und Überführung in Allschlaraffia folgten ab a.U. 113 n Wien Besprechungen zwischen Castellum Cornoviae und dem ehem. Urschlaraffen-Reych Castell Am schönen Bronnen, deren Patenschaft und Coloniegründung im Ablauf weiterer Entwicklung zur Mutterschaft führte. Allen Krisen zum Trotz zelebrierte Rt Ric-Rac am 20.4. a.U. 115 die Sanktionsfeyer für Castell am schönen Bronnen. Und wieder war der Stadtsaal Schauplatz eines schlaraffischen Festes. 145 Einritte, 42 Sassen des Mutterreyches, 39 Sassen der Colonie und die Ez Rt de coeur (165), Nöck (181) und Thespis (181) standen im Mittelpunkt des Festabends. Die mittlerweile auch schon in die Jahre gekommene Cornovcenburg wurde in der Zeit vom 29. Ostermond a.U. 119 bis 25. Brachmond unter erheblichen materiellen und personellem Einsatz von Grund auf neu ausgestaltet und lies unsere Burg zu einer der schönsten im Uhuversum werden.

Das nächste Großereignis war unser 75. Stiftungsfest am 27. Ostermond a.U. 126 in traditionell feyerlicher Weise wieder in der Festburg im Stadtsaal zu Korneuburg. 75. Stiftungsfest In der von den Oberschlaraffen, Rt Gygant, Rt Advo-canto und Rt Ahakadi, zelebrierten Festsippung konnten wir weit über 200 Gäste willkommen heißen. Die alte Führungsgarde, wie weiland Rtt. Thespis, Advocanto, Ahakadi, Gygant und Nöck, wurde seither von jüngeren Wahlwürden abgelöst. Für die innere und äußere Stetigkeit in der Führung der Reychsgeschäfte sorgten alsbald die Rtt Froh, Tiri`Lu und Tobac, und bald darauf Telami, Maulwurf und Ras Port, tatkräftig unterstützt von Spezi-Fex, Don Zahl-Es, Atzlethe, Heck-Meck und Bajan als jüngstem Langzeitdiener. Sie alle zeichnet als Dank zumindest ein ErbW aus, diese Riege konnte sich beim festlich begangenen 90. Stiftungfest (2232. Sippung, 29.4. a.U. 141) bewähren. Am 2. Christmond a.U. 150 feyerte Castellum Cornoviae die 2500. Sippung. Zu den uns lieb gewordenen Höhepunkten in der Sippungsfolge zählen: ▪ Unser Hofnarrenkonvent mit Burgfrauen, 30 Jahre unter der bewährten Leitung unseres ER, ErbHfn Sketch der Copy-Reiter, und nunmehr unter Hfn Eure Fröhlichkeit Rt Jumbo ▪ Die Traditionssippung zu Winterungsbeginn ▪


Die Hasenschreck-Halali-Sippung, in der nicht allein humorvoll dem Waidwerk gedacht wird. Es versammeln sich die Träger des Hasenschreck-Ritterordens wobei in feyerlicher Zeremonie der Hasenschreckorden Strecke getreu dem Leitspruch „dem Bruder hilfreich beiszuspringen“ für besondere Verdienste der schlaraffischen Freundschaft Anlass bezogen verliehen wird und die Verdienste aller Ordensträger gewürdigt werden ▪ Das Turney um die Meisterkette der Fechser des Reyches ▪ Gemeinsam mit den h.R. Claustroneoburga und Castell „Am schönen Bronnen“ das Turney um die Junkerkette, an dem sich die Knappen und Junker dieser Reyche beteiligen können und sollen. Das Turney findet reihum in einer der Burgen statt ▪ Im Zweijahres-Rhythmus laden wir unsere Freunde zu Most, in der „Most-Sippung“, und zu Lehte, in der „Brünnerstraßler-Sippung“, ein ▪ Wechselseitig sippen Castell „Am schönen Bronnen“ und Castellum Cornoviae, zur Festigung der Bande zwischen Tochter und Mutter einmal pro Winterung, gemeinsam ▪ Der immer besinnlichen Uhubaumfeyer geht auf Initiative unseres all zu früh gen Ahall geritten Rt Kundalini im vorweihnachtlichen Korneuburg die Schmückung eines Baumes mit leuchtenden Uhus voraus.




Strecke Am 24. Ostermond a.U. 151 fand im Stadtsaal die Festsippung mit der Devise 100. Stiftungsfest statt.Um darüber hinaus Bilanz über 100 Jahre des Bestehens des profanen Vereines Schlaraffia Korneuburg und seiner schlaraffischen Ausprägung als Castellum Cornoviae zu ziehen, findet im Museum des Kulturvereins der Stadt Korneuburg eine Ausstellung statt. Kunst, Freundschaft und Humor haben in Korneuburg eine bleibende Heimstätte gefunden und ein hoffnungsvoller Nachwuchs drängt heran; willkommene Anlässe, um nicht nur dankbar in die Vergangenheit, sondern auch freudig in die Zukunft zu blicken.